Das DoSE-Expertensystem

 

Die Testergebnisse von DoSE werden mit Hilfe eines „Expertensystems“ ausgewertet. Als "Expertensysteme (XPS)" werden Programme bezeichnet, die Expertenwissen zusammenführen und systematisieren, um die Lösungen oder Bewertungen bestimmter Problemstellungen zu optimieren. Zum Einsatz kommen solche Systeme seit längerer Zeit, um umfangreiches wissenschaftliches Datenmaterial zu analysieren. Ihr Einsatz zur Unterstützung medizinischer Diagnosestellungen auf der Basis großer Datenmengen verbreitet sich rapide.  

Bisher sind solche Systeme bei der Analyse schriftsprachlicher Lernprozesse nicht bekannt und nicht entwickelt. Insofern ist das "DoSE-Expertensystem" ("DoSE-XPS") innovativ, da es einen neuen Weg in der Diagnose schriftsprachlicher Teilleistungen beschreitet.

Das DoSE-XPS umfasste bis Dezember 2004 einen analysierten Datenbestand von 10.042 Wort-Schreibweisen (das waren im Durchschnitt 223 Schreibvarianten pro Wort) und von über 120.000 Einzelfehlern. Allein für die internationale Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU-E wurden fast 98.000 Einzelfehler ausgewertet.

 

Es gibt verschiedene Arten von XPS. Beim DoSE-XPS handelt sich um ein wissensbasiertes System, weil aus Einzelfehlern sprachwissenschaftlich fundierte Schlussfolgerungen auf Fehlerquellen und Kompetenzstufen gezogen werden. Solche Regeln – hier linguistische Fehlerklassifizierungen und ihre Zuordnung zu Entwicklungsstufen der Schriftkompetenz - müssen direkt von menschlichen Experten in das System eingepflegt werden. Andere Arten von XPS, die mittels Entscheidungsbäumen eigenständig zu Lernprozessen in der Lage sind, waren für die DoSE-Analysen nicht geeignet. Bei ihnen würde es sich um eine Form des induktiven Lernens auf Basis einer Beispielmenge von Falschschreibungen handeln. Angesichts der Vielfalt subjektiver Fehlervarianten würden solche XPS notwendig zu falschen Ergebnissen führen, da das System Einzelfehler, die nicht vom menschlichen Experten ausgewertet sind, eigenständig interpretieren würde.

Mit „Expertensystem ist also nicht der Computer als der Experte benannt. Nicht er urteilt oder erstellt die Diagnose, sondern er gibt die Urteile des Experten wieder. In diesem Sinne ist die Leistung von DoSE-XPS zu verstehen. Der Mehrwert eines solchen Systems liegt in der Optimierung, d.h. die Fülle an Auswertungsinformationen wird mit dem "Werkzeug" Computer wesentlich schneller und präziser verarbeitet als es für den menschlichen Experten möglich wäre.

Die Forschung im Bereich der Expertensysteme wird in Deutschland der "künstlichen Intelligenz" (KI) als Teilgebiet zugeordnet. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass es sich bei „künstlicher Intelligenz“ um eine fragwürdige Übersetzung von „artificel intelligence“ (AI) handelt, da „intelligence“ in der englischen Sprache auch die Bedeutung von „Informations- bzw. Nachrichtenverarbeitung“ hat, was sicherlich bei "FBI" oder "CIA" niemand verwechselt. 

 

 

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